REUDNITZ

_

Baugeschichte

_

Die barocke Dorfkirche wurde 1809 neu erbaut und noch im selben Jahrhundert neogotisierend verändert. Der Sakralbau ist nach Osten und Westen dreiseitig geschlossen. Er hat einen achtseitigen verschieferten Dachturm, der auf vier Seiten Schallöffnungen hat. Abgeschlossen wird der Turm durch ein Johanniterkreuz.

Zwischen 1992 und 1994 fanden Sanierungsarbeiten statt. Die „altdeutsche“ Schieferdeckung des Turms stellten die Bauleute noch altem Vorbild wieder her. Weiterhin wurde die Dacheindeckung des Kirchenschiffs erneuert. Außerdem erhielt die Kirche einen neuen Außenanstrich. Auch der Innenraum wurde in den Jahren 1991/1992 umfangreich saniert.

Westlich der Kirche gelegen auf dem Kirchhof, finden sich die Reste eines Grabmals aus dem Jahre 1790. Es handelt sich dabei um einen Säulenstumpf, auf dem eine Vase steht, die von einem Tuch abgedeckt wird. Das Grabmal erinnert an den Begründer des Krollhofes (Schäferei).

 

Ausstattung

_

Der hölzerne Kanzelaltar datiert aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er ist im klassizitischen Stil errichtet. Der Altar hat links und rechts hölzerne Schranken. Unter dem polygonen Kanzelkorb hängt ein gemaltes Christusportrait.

Halbrechts vom Altar steht die hölzerne Taufe. Sie ist sechsseitig und stammt ebenfalls aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der in der Mitte des Kirchenschiffs hängende Kronleuchter wurde Weihnachten 1906 von Theodor Gressel gestiftet. Dieser Hinweis findet sich in der oberen Hälfte des Leuchters.

Die Kirche hat eine Westempore, auf der die Orgel steht. Diese hat ein Manual, Pedal und acht Register.

Im Innern hat die Kirche eine flache Putzdecke, die von vier hölzernen Säulen gestützt wird.

Ein Brauch, der in der Ev. Kirchengemeinde nach wie vor gepflegt wird, soll hier Erwähnung finden: Glieder der Gemeinde wechseln sich in der Wahrnehmung des Kirchendienstes ab. Der Schlüssel zur Kirche wird von einem Gemeindeglied zum anderen herumgereicht, um diesen Dienst zu tun.

 

Das Dorf Reudnitz

_

Die erste schriftliche Erwähnung findet sich bereits 1346 in der Stiftsmatrikel des Bistums Meißen als eine der dem Erzpristersitz Beeskow unterstellten Kirchen in der Niederlausitz. Da Reudnitz in den ersten schriftlichen Erwähnungen unter dem Namen „Rudenitz“ geführt wird, lässt dies auf eine slawische Siedlung („Rudnica“) schließen, die ihre Anfänge nach dem 10. Jahrhundert hatte. Der ursprüngliche Name bezeichnete einen Raseneisenstein, der eine rötliche Bodenfärbung hervorruft. Seinen heutigen Namen erhielt das Dorf wohl erst im 17. Jahrhundert.

Erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts gehörte Reudnitz zum Ordensamt Friedland, das der Herrschaft des Johanniter-Ordens unterstand.

Mit freundlicher Genehmigung des Heimat-Verlages Lübben aus „Führer durch die evangelischen Kirchen des Kirchenkreises an Oder und Spree“,
Autor: Hans-Joachim Beeskow (1946-2021)